Ingwer

Allgemeine Informationen über Ingwer

Die Geschichte und der Weg des Ingwers

Wenn von Ingwer (engl. Ginger) die Rede ist, sind meist die Rhizome der tropischen Gewürz- und Heilpflanze gemeint.

Das sind unterirdische Sprosse, die häufig auch als Wurzelknollen bezeichnet werden und zum Würzen von Speisen und zunehmend auch wieder als Heilpflanzen mit vielfältigen gesundheitsrelevanten Wirkungen Verwendung finden.

Die genaue Herkunft des Ingwers ist nicht mehr nachvollziehbar. Wahrscheinlich liegt ihr Ursprung im tropisch-asiatischen und pazifischen Raum. Einige Autoren sehen Indien als ursprüngliche Heimat des Ingwers an.

In der chinesischen Medizin fand roher Ingwer bereits vor 4.800 Jahren Erwähnung im „Shennong ben cao jing“.

Auch im arabischen und europäischen Raum war Ingwer bereits im Altertum als Heilpflanze begehrt. Pedianos Dioskurides, einer der berühmtesten griechischen Pharmakologen, der als Militärarzt im ersten Jahrhundert nach Christus unter den römischen Kaisern Claudius und Nero diente, empfahl Ingwer als verdauungsfördernd.

Er stufte die Ingwerknolle in die Gruppe der „Reizenden Arzneimittel“ ein. Im deutschsprachigen Raum ist Ingwer seit dem neunten Jahrhundert bekannt.

Wo kommt Ingwer vor und wo wird er angebaut?

Ingwer gedeiht am besten in tropischen und subtropischen Regionen. Aufgrund der großen und wachsenden Nachfrage wird er in vielen Ländern großflächig im professionellen und kommerziellen Anbau produziert.

Hauptanbaugebiete finden sich in asiatischen Ländern wie im südlichen China, in Sri Lanka, Vietnam und Japan sowie in Indien. Während Indien als größter Produzent gilt, nimmt China die Position des Exportweltmeisters von Ingwer ein.

Aber auch in Australien und in Nigeria und in anderen afrikanischen Ländern wird Ingwer mittlerweile großflächig angebaut und kommerziell verwertet.

Foto einer Ingwerplantage

Foto einer Ingwerplantage

Inhaltsstoffe der Ingwerwurzel

Ingwer duftet aromatisch, und er zeichnet sich durch einen brennend scharfen und würzigen Geschmack aus.

Ätherische Öle wie das Gingerol und einige andere eng verwandte Stoffe wie Zingiberol, Zingiberen, Curcuma, Beta-Carotine und Beta-Eudesmol einschließlich des Shogaols sowie Capsaicin sind unter anderem für den brennend scharfen Geschmack verantwortlich.

Neben den oben erwähnten ätherischen Ölen und anderen auffälligen Substanzen ist Ingwer auch reich an Stoffen mit verdauungsfördernder Wirkung und solchen, die den Kreislauf anregen. Auch als Lieferant von Kalium und anderen wichtigen Mineralstoffen und Vitaminen spielt Ingwer eine Rolle.

Der durchschnittliche Gehalt von Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen je 100 Gramm Ingwerknolle (frisch) erreicht folgende Werte:

• Kalzium 16 mg
• Kalium 415 mg
• Magnesium 43 mg
• Eisen 0,6 mg
• Zink 0,34 mg
• Natrium 13 mg
• Vitamin B6 0,16 mg
• Vitamin B3 0,75 mg
• Vitamin C 5 mg
• Phosphor 34 mg

Welche Wirkstoffe sind in Ingwer enthalten?

Im Gegensatz zu Arzneimitteln, die meist nur einen einzigen spezifischen Wirkstoff enthalten, punkten Heilpflanzen in der Regel mit einer ganzen Palette von Wirk- und Unterstützungsstoffen, aus denen unser Stoffwechsel die am dringendsten benötigten Substanzen wählen kann.

Ingwer macht hierbei keine Ausnahme. Ein reichhaltiges Angebot an verschiedenen Wirkstoffen sorgt für die verschiedenen Eigenschaften und Wirkungen mit gesundheitlicher Relevanz, die den Ingwer auszeichnen.

Für die meisten Inhaltsstoffe des Ingwers gilt im besonderen Maße, dass sie unsere Verdauung und unseren Stoffwechsel unterstützen und ankurbeln. Sie leiten damit für uns eine Art Hilfe zur Selbsthilfe.

Das trifft in besonderem Maße auf das Ingwer-Oleoresin zu. Es setzt sich aus ätherischen Ölen und verschiedenen Scharfstoffen wie Gingerole und Shogaole zusammen.

Von den insgesamt 115 verschiedenen Stoffen, die im Ingwer nachgewiesen wurden, wirken die meisten synergetisch im Verbund. Die Gesamtwirkung ist deutlich stärker und effektiver als aufgrund der isolierten Betrachtung möglicher Einzeleffekte zu erwarten wäre.

Das bedeutet, dass auch die oben aufgeführten Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine zur Effizienz der Substanzen mit direkter gesundheitlicher Relevanz beitragen.

Die unterstützende Wirkung erfolgt zum Teil über die Stärkung unseres Immunsystems, das sich bei den besonderen Stoffen des Ingwers „bedienen“ kann.

Mögliche Wirkungen von Ingwer

Ingwer hat unmittelbare Wirkungen mit gesundheitlicher Relevanz und verschiedene positive Langzeiteffekte, die nicht sofort und unmittelbar spürbar und nachweisbar sind.

Eine der unmittelbar erfahrbaren Wirkungen des Ingwers ist sein Einfluss auf unseren Magen-Darmtrakt und auf die Bauchspeicheldrüse. Ingwer regt nicht nur die Verdauung an, sondern wird auch als effektives Mittel gegen Übelkeit und gegen Brechreiz verwendet.

Dazu gehört auch die vorbeugende Wirkung gegen Reise- und Seekrankheit. Die anregende Wirkung auf die Darmperistaltik unterstützt eine normale Passage des Nahrungsbreis durch den Darm und unterstützt damit die Absorption der Nährstoffe.

Eine weitere wichtige Eigenschaft des Ingwers betrifft die Eindämmung entzündlicher Körperreaktionen.

Durch Hemmung des Enzyms Cyclooxigenase-2 ist das enthaltene Gingerol in der Lage, z. B. bei Arthrose und rheumatischen Beschwerden, eine Schmerzlinderung zu bewirken, die mit der von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen vergleichbar ist.

Ähnlich wie Capsaicin zeigt auch das Gingerol grundsätzlich schmerzlindernde Wirkung, weil sogenannte Vanilloid-Rezeptoren der schmerzmeldenden Nerven (Nozizeptoren) besetzt werden, so dass die mögliche Schmerzmeldung nur abgeschwächt erfolgt.

Besonders die verschiedenen Scharfstoffe im Ingwer regen die Schweißproduktion an, was besonders bei Erkältungen und grippalen Infekten_ sehr hilfreich ist, weil dadurch das Immunsystem in der Infektabwehr unterstützt wird.

Im Schweiß wurde von deutschen Forschern ein Stoff entdeckt, der Schutz gegen pathogene Keime bietet, so dass eine verstärkte Schweißabsonderung für den Heilungsprozess förderlich ist und Neuinfektionen entgegenwirkt.

Bei regel mäßigem Konsum schützt uns Ingwer bis zu einem gewissen Grad vor Schlaganfall und Herzinfarkt. Die Schutzwirkung kann auf eine leichte Gerinnungshemmung des Blutes zurückgeführt werden, die eine Bildung von Blutpfropfen erschwert.

Interessante Beispiele für die Wirkungen von Ingwer können bei YouTube eingesehen werden.

 

Wie kann man Ingwer am besten in das eigene Leben integrieren?

Ingwer passt als Gewürz zu vielen Seefisch- und Fleischgerichten mit Schweinefleisch sowie zu Früchten wie Orangen, Melonen und Äpfel.

Zum Frühstück passen Konfitüren, die mit Ingwerzusatz hergestellt wurden. Falls Sie Smoothies zum Frühstück oder zwischendurch lieben, führen ein paar frisch geschälte Ingwerstückchen zu einem neuen Geschmackserlebnis, das Lust auf mehr weckt.

Auch unterwegs brauchen Sie nicht auf Ingwer als Begleiter zu verzichten, falls Sie diverse Knabbereien mögen, die Ingwerstücke enthalten.

Beispielsweise bieten Supermärkte, Feinkostläden und auch Shops an Bahnhöfen und Flughäfen kandierte oder mit Schokolade ummantelte Ingwerstücke an.

Gibt es gesundheitliche Risiken, wenn man Ingwer zu sich nimmt?

Ingwer wird in der Regel gut vertragen. Allerdings kann der Verzehr in seltenen Fällen eine Ingwerallergie auslösen, die sich meist in Form von Bläschen oder Pusteln im Mund oder im Rachenraum zeigt.

Falls eine Ingwerallergie besteht, kann es auch zu Hautrötungen im Gesicht und am Mund kommen.

Falls Sie Probleme mit Reflux haben, was sich vor allem durch ständiges saures Aufstoßen zeigt, kann sich der Effekt durch Ingwer unter Umständen leicht verstärken.

Vor dem regelmäßigen Verzehr von Ingwer sollte berücksichtigt werden, dass Inhaltsstoffe der Knolle leicht gerinnungshemmende Eigenschaften haben.

Das bedeutet, dass es zu einer Wechselwirkung mit sogenannten Blutverdünnern oder Gerinnungshemmern im Sinne einer verstärkten Gerinnungshemmung kommen kann.

In diesem Fall sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden, um Risiken auszuschließen.

Wie wählt man Ingwer aus und wie lagert man Ihn?

Frisch geernteten Ingwer erkennt man an der festen Beschaffenheit und an der glatten Schale, die keine Runzeln enthält.

Runzeln und weiche Konsistenz deuten darauf hin, dass der Ingwer bereits lange „unterwegs“ ist und an Austrocknung leidet.

Die Knollen lassen sich gut im Kühlschrank in einem gut verschlossenem und nicht zu großem Gefäß aufbewahren. Über längere Zeit lässt er sich auch im Gefrierschrank lagern.

Einige schnelle Tips für den Konsum von Ingwer

Die einfachste Art, schnell in den Genuss von Ingwer zu kommen, besteht in der Herstellung von Ingwerwasser.

Hierzu schneiden Sie eine frische Ingwerknolle in mehrere Stücke und übergießen sie mit gut warmem bis heißem Wasser. Das Ingwer-Wasser kann noch warm sofort und auch als Kaltgetränk über den Tag verteilt getrunken werden.

Eine weitere einfache Methode besteht in der Herstellung von Ingwertee, der durch Aufbrühen frisch geschälter Ingwerstücke zubereitet wird und nach Belieben gesüßt und mit einer Zitronenscheibe verfeinert werden kann.

Der Tee – regelmäßig getrunken – bietet nicht nur den besonderen Geschmack, sondern entfaltet auch seine gesundheitlichen Wirkungen und beruhigt.

Dazu kommt das Ritual des Teetrinkens, das besonders im Orient und in asiatischen Ländern gerne zelebriert wird. Die schnell zubereiteten Smoothies mit Zusatz von Ingwer wurden bereits oben erwähnt.